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John Player
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Dabei seit: 10. Nov 2004
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BeitragVerfasst am: 17. Dez 2005, 17:47     Titel: Bernd Hoffmann Antworten mit Zitat Nach oben


Aus der FAZ von heute:

Zitat:
Der Aufstieg des HSV - für Werder ein Hasardeur-Stück
Von Frank Heike, Hamburg

17. Dezember 2005 Zwei Versammlungen innerhalb von acht Tagen, zwei Präsidenten auf dem Podium und vor ihnen jubelnde Mitglieder - in den grauen Tagen Mitte November waren sich der Hamburger SV und Werder Bremen ganz nah. Dabei hätten sie wirtschaftlich kaum weiter auseinander sein können.

Während Bernd Hoffmann von einem nicht durch Eigenkapital gedeckten Fehlbetrag in Höhe von 21,4 Millionen Euro berichten mußte, in einer kühnen Flucht nach vorn aber geschickt davon ablenkte und den derzeitigen sportlichen Höhenflug nutzte, um den Anwesenden seinen Plan zu verkünden, den HSV in den nächsten fünf Jahren unter die "Top 20" Europas zu bringen, durfte Jürgen Ludger Born Rekordzahlen berichten: einen Umsatz von 70 Millionen Euro und einen Überschuß von einer dreiviertel Million Euro. Born sagte: "Werder ist schuldenfrei, liquide und hat einen zufriedenstellenden Gewinn erwirtschaftet. Wir haben nicht den höchsten Umsatz der Liga, aber unsere Bilanz gehört zu den gesündesten unter den Konkurrenten."

„Nicht stolz auf die Schieflage in unserer Bilanz”
Werders Teuerster: Johan Micoud

Borns Wort hat auch deshalb Gewicht, weil der Vorsitzende der Bremer Geschäftsführung dreißig Jahre lang als Banker gearbeitet hat. Es war der 29. November, es gab Applaus, und der Begriff der großen Werder-Familie machte wieder die Runde. Born ist und bleibt der Garant für das bekannte Bremer Geschäftsgebaren, das da lautet: "Nicht mehr ausgeben als einnehmen." Sein Hamburger Pendant Hoffmann sagte an jenem 21. November im Hamburg Kongreßzentrum: "Wir sind nicht stolz auf die Schieflage in unserer Bilanz. Wir wollen sie durch vermehrte Einnahmen wieder ins Positive drehen." Es war nur so, daß das gar keinen interessierte - ein ganzer Klub war geblendet von den glänzenden sportlichen Aussichten des neuen HSV unter Trainer Thomas Doll. Im kleinen Kreis gibt Hoffmann gern zu, daß er sich über derart wenig Kritik an diesem denkwürdig harmonischen Abend selbst gewundert hat. "Wenn wir Tabellenachter wären und am Abend vorher gegen Duisburg verloren hätten, wäre die Stimmung eine andere gewesen", sagt Hoffmann.

Der Hamburger SV ist Zweiter und spielt an diesem Sonntag beim Tabellendritten Werder Bremen. Das hat zu allerlei System- und sonstigen Vergleichen geführt, und vielleicht kann man es anhand der oben beschriebenen Zahlen noch einmal auf den Punkt bringen: Während der Bremer Erfolg - soweit im Fußball überhaupt möglich - organisch gewachsen ist, geht der HSV auf seinem Weg zurück an die deutsche und europäische Spitze hohes Risiko. Es gibt manche im Umfeld des Vereins (auch aus dem Aufsichtsrat, wie den ehemaligen Präsidenten Jürgen Hunke), für die ist Hoffmann, der Mann, der 2003 vom Vermarkter Sportfive ohne Fußball-Stallgeruch kam, ein Hasardeur. Er selbst sagte jüngst, daß das Geheimnis der Lenkung eines Bundesliga-Klubs doch sei, an die Tür der Champions League zu klopfen und dabei die Insolvenz zu verhindern. Bremer bekommen Atemnot, wenn sie so etwas hören; hier sorgt die alte Garde um Amateur-Vorstand Klaus-Dieter Fischer und Marketing-Vorstand Manfred Müller für die gebotene Demut vor dem Geld. Born, seit 1999 im Amt, spricht gern von einer "einkommensorientierten Ausgabenpolitik".

Zufälle sollen ausgeschaltet werden

Natürlich gibt es Gründe für die unterschiedlichen Geschäftsmodelle. Wo Werder neben den bekannten Findigkeiten in Sachen Nachwuchs, Einkäufe und Ausleihen des Sportdirektors Klaus Allofs auch aus den Einnahmen von zwei Champions-League-Teilnahmen schöpfen kann, muß der HSV höchstes Risiko gehen. Denn die zweistelligen Millionenbeträge aus der kontinentalen Königsklasse fehlen ihm. Nur durch den Vorgriff auf Gelder des Catering-Vertrages konnte ein Rafael van der Vaart nach Hamburg geholt werden, nur durch eine glückliche Fügung wie den 7,5-Millionen-Euro-Transfer Ujfalusis im Sommer 2004 gab es Kapital für van Buyten und Boulahrouz. Doch Zufälle sollen soweit wie möglich ausgeschaltet werden - Planungssicherheit ist das Zauberwort. Aber wer kann schon davon ausgehen, jedes Jahr in der Champions League zu spielen? Der HSV sicher nicht, während Werder sich gerade anschickt, es zum dritten Mal in Folge zu tun.

Und während Hoffmann schon jetzt davor graut, was zum Beispiel ein Atouba oder ein Barbarez bei den nächsten Vertragsverhandlungen verlangen werden, sollte der HSV der Champions League näher kommen, hat Werder längst das Geld, den Stützen der Gesellschaft gut dotierte erfolgsabhängige Verträge zu geben. "Bei Erfolg müssen wir viel zahlen", sagt Born. "Wir haben dafür unsere fußballbezogene Einnahmekasse."

Werder zeigt: So geht es

Auch Werder ist längst nicht mehr so vorsichtig wie früher. Auch dafür steht Born. Man schätzt, daß Johan Micoud bei optimalem Saisonverlauf bis zu drei Millionen Euro verdient, bei Klose und Frings sollen es zwei Millionen sein, andere Stammspieler wie Klasnic und Borowski nähern sich wohl auch dieser Schallmauer. Und auch in Zukunft will Werder investieren. Beim HSV erinnert man sich an den Poker mit Owomoyela, der in Bremen einfach mehr verdienen konnte. Werder ist kein Leichtgewicht, es zählt längst zum deutschen Fußball-Geldadel. Owomoyela, ein Hamburger aus dem Stadtteil Stellingen, sagte damals zu den sportlichen Aussichten: "Der HSV ist vage, Werder ist Konstanz."

So würde Bernd Hoffmann es natürlich nie ausdrücken. Er sagt zum Vergleich der norddeutschen Spitzenklubs: "Werder ist letztlich der Klub, der allen anderen in der Liga den Spiegel vorhält - so geht es. Wir wollen Werder dank der besseren Infrastruktur dauerhaft überholen." Für den Moment ist das dem HSV mit viel Risiko gelungen.



Daß wir einen Fehlbetrag von etwa 20 Millionen haben, ist nichts Neues.
Aber sonst finde ich die Argumente der FAZ, mit denen versucht wird die Position des HSV in ein schlechtes Licht zu rücken, ziemlich schwach.
So ist Hoffmann nicht der Verantwortliche für die finanzielle Situation, sondern mußte sie bei Amtsübernahme so hinnehmen.

Desweiteren finde ich den Vergleich der Transferstrategien ziemlich "daneben". Nichts gegen die Transferaktivitäten der Bremer, die machen dort wirklich gute Arbeit, aber wieso spricht man bei uns in Sachen Uijfalsui, van Buyten und Boualarouzh von Zufall und "glücklicher Fügung"? Das kann ich nicht nachvollziehen, hier hätte ich mir gewünscht, daß es lobend anerkannt wird. Daher finde ich den Beitrag polemisch, ein Versuch etwas Negatives zu finden.

P.S.
Wie genau stimmt die Aussage, daß das Catering Geld bereits in vollem Umfang ausgegeben wurde? Ist dabei alles für den van der Vaart Transfer drufgegangen?

Hier noch der Link: Klick.


Zuletzt bearbeitet von THW am 18. Feb 2018, 19:27, insgesamt einmal bearbeitet
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BeitragVerfasst am: 17. Dez 2005, 18:06     Antworten mit Zitat Nach oben


Hasadeur ist sicherlich ein hartes Wort, aber die Frage ob die zusätzlichen Aramark-Millionen wirklich en bloc rausgehauen wurden oder uns noch jährlich zustehen wurde glaube ich nie zufriedenstellen beantwortet?

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Ehrenamtlicher
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BeitragVerfasst am: 17. Dez 2005, 20:34     Antworten mit Zitat Nach oben


1. Die Aramark-Ausgaben wurden zum Großteil ausgegeben. Ein erheblicher Teil des Erlöses wurde sofort fällig und für van Buyten, Mpenza und Lauth ausgegeben. Mit vdV hatte das nichts zu tun.

2. Der Beitrag der FAZ ist schrott.

Man kann nicht allen Ernstes die Finanzen des HSV durchleuchten wollen, und dabei "vergessen", dass der HSV 99%-Eigentümer seines 5-Sterne-55000-Zuschauer-WM-Stadions ist. Rekordeinnahmen bei den Zuschauern und im Bereich Merchandising finden in der FAZ leider ebenso nicht statt wie der riesige Geldregen ab Sommer 2006 durch den neuen TV-Vertrag. Stattdessen wird auf einem bilanziellen Minus rumgeritten, dass tatsächlich nur eine Zahl auf geduldigem Papier ist. Wenn der HSV den Transferwert des kickenden Personals fair und marktgerecht bewerten würde, dann ginge die Bilanz durch die Decke und das Minus wäre Vergangenheit.

=> Der HSV ist finanziell nicht gefährdet. Wer Hasadeure sucht, dem sei die A1 ans Herz gelegt und ab 3 Stunden Fahrzeit immer schön die Äuglein auf und man wird einige Herren dieser Güteklasse finden....
Gastro
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BeitragVerfasst am: 17. Dez 2005, 22:07     Antworten mit Zitat Nach oben


Ehrenamtlicher hat am 17. Dez 2005 um 20:34 Uhr folgendes geschrieben:
1. Die Aramark-Ausgaben wurden zum Großteil ausgegeben. Ein erheblicher Teil des Erlöses wurde sofort fällig und für van Buyten, Mpenza und Lauth ausgegeben. Mit vdV hatte das nichts zu tun.

2. Der Beitrag der FAZ ist schrott.

Man kann nicht allen Ernstes die Finanzen des HSV durchleuchten wollen, und dabei "vergessen", dass der HSV 99%-Eigentümer seines 5-Sterne-55000-Zuschauer-WM-Stadions ist. Rekordeinnahmen bei den Zuschauern und im Bereich Merchandising finden in der FAZ leider ebenso nicht statt wie der riesige Geldregen ab Sommer 2006 durch den neuen TV-Vertrag. Stattdessen wird auf einem bilanziellen Minus rumgeritten, dass tatsächlich nur eine Zahl auf geduldigem Papier ist. Wenn der HSV den Transferwert des kickenden Personals fair und marktgerecht bewerten würde, dann ginge die Bilanz durch die Decke und das Minus wäre Vergangenheit.

=> Der HSV ist finanziell nicht gefährdet. Wer Hasadeure sucht, dem sei die A1 ans Herz gelegt und ab 3 Stunden Fahrzeit immer schön die Äuglein auf und man wird einige Herren dieser Güteklasse finden....


Hm, als Halbleihe habe ich da ein paar Fragen: Was genau bedeutet 20,7 Millionen Fehlbetrag, der nicht durch Eigenkapital gedeckt ist?

Sind das bilanziell die Verbindlichkeiten, also Fremdkapital? Bei wem haben wir diese Schulden?

Wenn das wirklich so ist, dann wären die Spieler und auch das Stadion auf der Aktiva gegengerechnet. Dann wären Vermögen (also Aktiva) - Eigenkapital und Verbindlichkeiten= dieser Fehlbetrag von 20,7 Millionen.

Hm, irgendwie verstehe ich den Ausdruck nicht wirklich, und was damit gemeint ist. Über eine Erläuterung würde ich mich freuen.
Ehrenamtlicher
Gast







BeitragVerfasst am: 18. Dez 2005, 16:04     Antworten mit Zitat Nach oben


Gastro hat am 17. Dez 2005 um 22:07 Uhr folgendes geschrieben:
Ehrenamtlicher hat am 17. Dez 2005 um 20:34 Uhr folgendes geschrieben:
1. Die Aramark-Ausgaben wurden zum Großteil ausgegeben. Ein erheblicher Teil des Erlöses wurde sofort fällig und für van Buyten, Mpenza und Lauth ausgegeben. Mit vdV hatte das nichts zu tun.

2. Der Beitrag der FAZ ist schrott.

Man kann nicht allen Ernstes die Finanzen des HSV durchleuchten wollen, und dabei "vergessen", dass der HSV 99%-Eigentümer seines 5-Sterne-55000-Zuschauer-WM-Stadions ist. Rekordeinnahmen bei den Zuschauern und im Bereich Merchandising finden in der FAZ leider ebenso nicht statt wie der riesige Geldregen ab Sommer 2006 durch den neuen TV-Vertrag. Stattdessen wird auf einem bilanziellen Minus rumgeritten, dass tatsächlich nur eine Zahl auf geduldigem Papier ist. Wenn der HSV den Transferwert des kickenden Personals fair und marktgerecht bewerten würde, dann ginge die Bilanz durch die Decke und das Minus wäre Vergangenheit.

=> Der HSV ist finanziell nicht gefährdet. Wer Hasadeure sucht, dem sei die A1 ans Herz gelegt und ab 3 Stunden Fahrzeit immer schön die Äuglein auf und man wird einige Herren dieser Güteklasse finden....


Hm, als Halbleihe habe ich da ein paar Fragen: Was genau bedeutet 20,7 Millionen Fehlbetrag, der nicht durch Eigenkapital gedeckt ist?

Sind das bilanziell die Verbindlichkeiten, also Fremdkapital? Bei wem haben wir diese Schulden?

Wenn das wirklich so ist, dann wären die Spieler und auch das Stadion auf der Aktiva gegengerechnet. Dann wären Vermögen (also Aktiva) - Eigenkapital und Verbindlichkeiten= dieser Fehlbetrag von 20,7 Millionen.

Hm, irgendwie verstehe ich den Ausdruck nicht wirklich, und was damit gemeint ist. Über eine Erläuterung würde ich mich freuen.


Mit "bilanziell überschuldet" bzw. "negativem Eigenkapital" ist der Betrag gemeint, um den die Passiva-Seite (grob vereinfacht: die Finanzierung des Unternehmens) die Aktiva-Seite überwiegt (grob vereinfacht: die Substanz des Unternehmens), so dass auf der Passiva-Seite der Posten "Eigenkapital" negativ sein muss, um der Regel Aktiva=Passiva zu entsprechen (BWLer korrigiert mich, wenn ich daneben liege). Vereinfacht gesagt: Die Schulden der HSV-Gruppe sind höher als der in der Bilanz angenommene Wert der HSV-Assets.

Das Problem der Bilanzierung von Fußball-unternehmen ist aber gerade, dass der "Wert" (Aktiva-Seite) einer Mannschaft ständig schwankt und letztlich nicht zu messen ist, bis man tatsächlich Spieler verkaufen will und selbst dann spielen viele Zufälle eine Rolle (van der Vaarts Wert steigt, wenn sich gleichzeitig Frank Lampard, Michael Ballack, Zinedine Zidane und Thomas Rosicky die Kreuzbänder reissen, obwohl das mit dem HSV und vdV nichts zu tun hat, nur als Beispiel).

Somit bilanziert der HSV auf Aktiva-Seite sehr vorsichtig, um nicht wie 2001/2002 per Sonderabschreibung eine Riesen-Korrektur nach unten vornehmen zu müssen.

In der Realität ist der HSV-Kader durch diese Vorgehensweise unterbewertet. Wenn man auf die Idee käme, auf einen Schlag allein vdV, van Buyten und Boulahrouz verkaufen zu wollen, dann würde man m.E. so zwischen 30-40 Mios erlösen. Nach meiner Kenntnis ist dieser Betrag schon höher als der in der Bilanz aktivierte Schätzwert der gesamten Mannschaft.
Der ehemalige BSHH
Gast







BeitragVerfasst am: 19. Dez 2005, 12:20     Antworten mit Zitat Nach oben


@ Gastro:

Die zutreffenden Ausführungen des Ehrenamtlichen sind vielleicht zum besseren Verständnis noch um wenige grundsätzliche Erläuterungen zu ergänzen: Eine Bilanz ist eine nach bestimmten Regeln (hierzulande denjenigen des HGB) aufgestellte Übersicht über das Vermögen (Aktiva) und das Kapital (Passiva) einer Unternehmung; damit soll dargestellt werden, welche Werte vorhanden sind und woher das Geld hierfür stammt (und ggf. zurückgezahlt werden muss).

Zum FAZ-Artikel:

Dieser Artikel ist lausig. Ich bin sehr erstaunt, dass die FAZ so eine fehlerhafte, oberflächliche und z.T. tendenziöse Darstellung abdruckt - wäre ich Kunde dieses Verlags, würde ich mir tatsächlich überlegen, einen Leserbrief zu schreiben. Manche Versäumnisse wurden bereits aufgezeigt, ich hoffe, meine folgenden Anmerkungen sind nicht zu redundant:

- Der Verfasser vergleicht die Werder-Vereinsbilanz mit der konsolidierten Bilanz der gesamten HSV-Unternehmensgruppe. Das ist ein grober Kardinalfehler. Eine seriöse Vergleichsdarstellung beider Vereinsbilanzen hätte geringere Abweichungen ergeben, denn der HSV e.V. ist beispielsweise nicht bilanziell überschuldet.

- Anders als der HSV hat Werder kein Stadion mit Fredmmitteln erbaut, sondern einen 50%igen Anteil an der Stadiongesellschaft für vergleichsweise geringe € 17 Mio. erhalten, die in Ausbauleistungen zu investieren waren. Die Finanzierungslasten hierfür dürften nicht in der Vereinsbilanz berücksichtigt sein, denn über liquide Mittel in dieser Höhe verfügte der Verein zu keiner Zeit.

- Die bilanzielle Überschuldung des HSV-Konzerns ist in Höhe von mehr als € 12 Mio., mithin zu rund 57%, auf eine bilanzielle Erfassung der städtischen Baukostenzuschüsse für die AOL-Arena zurückzuführen. Da es sich hierbei nicht um Rückzahlungsverpflichtungen handelt, besteht jedenfalls insoweit keine Verschuldungsproblematik.

- Werder Bremen vermeldet wegen der CL-Teilnahme Rekordumsätze. Das ist weniger ein Beleg für besondere kaufmännische Gerissenheit (die ich den Bremer nicht absprechen möchte), sondern die fast logische Folge der längst bekannten Zahlungen der UEFA an die CL-Teilnehmer. Solche Umsatzsteigerungen sind auch in Hamburg, Berlin oder Gelsenkirchen angefallen.

- Der Autor betont (m.E. zu Recht), dass kein Verein davon ausgehen kann, dauerhaft in der CL zu spielen. Dabei ignoriert er aber, dass gerade Werder inzwischen so hohe Gehaltsverpflichtungen eingegangen ist, dass gerade angesichts der dortigen etwas begrenzteren Gesamtstruktur hohe Europapokalerlöse zur Finanzierung erforderlich sind. Durch die mehrjährigen Lizenzspielerverträge ist eine "einkommensorientierte Ausgabenpolitik" auch bei leistungsabhängiger Bezahlung kaum noch möglich.

- Die Ablöse für Ujfalusi ist keine "glückliche Fügung" zur Finanzierung des Spielers Boulahrouz, sondern eher notwendige Bedingung. Der Niederländer ist erst nach dem Verkauf verpflichtet worden. Transfererlöse stellen ohnehin branchenübliche Erlöse dar, durch die auch in Bremen häufig der Kader mitfinanziert wird.

- Dass es Hoffmann vor Vertragsverhandlungen mit Atouba oder Barbarez grauen soll, ist abwegig. Atouba hat heuer einen Vierjahresvertrag unterzeichnet, Barbarez ist 34 und hat bereits angekündigt, in Hamburg verlängern zu wollen. Auf diese Verhandlungen dürfte sich Hoffmann eher freuen, denn das Spitzengehalt wird voraussichtlich sinken. Beides lässt sich aus Informationen schließen, die auch einem mittelmäßigen Sportjournalisten leicht zugängig sein sollten.

- Es ist grundsätzlich richtig, dass der HSV (mangels sportlicher Erfolge) ein größeres Risiko zur Finanzierung seines jetzigen Kaders eingegangen ist. Aber schon in der laufenden Saison zahlt sich dieses Risiko durch die UEFA-Cup-Teilnahme aus. Auch dieser Umstand wird ignoriert.

Gruß,
BSHH
Gastro
Gast







BeitragVerfasst am: 19. Dez 2005, 22:26     Antworten mit Zitat Nach oben


@Ehrenamtlicher und ehemaliger BSHH

Danke für eure Erläuterungen. Habe mich in den letzten zwei Tagen mit dem Thema HSV und Finanzen etwas beschäftigt. Bin da auf sehr interessante Seiten gestoßen, die mich über den Artikel der FAZ wirklich nur müde lachen lassen.
Als Beispiel möchte ich hier einen Artikel aus dem Abenblatt verlinken, der die Bilanz des HSV sehr anschaulich erklärt (bzw. auch für Laien geeignet ist).
Er bestätigt außerdem, die von euch getroffenen Aussagen.

http://www.abendblatt.de/daten/2005/11/17/503948.html
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BeitragVerfasst am: 20. Dez 2005, 17:10     Antworten mit Zitat Nach oben


Das bringt ein wenig Licht ins Dunkel, zumal ich schon dachte wir müssten uns ernsthaft in einem Atemzug mit Schalke und Dortmund nennen.
Andererseits finde ich den Posten "Stadion" fast unterbewertet (Abendblatt). Dort wird von einer Summe von ca. 60 Mio gesprochen. Das Stadion hat uns aber vor 5 Jahren 170 - 200 Mio gekostet...
Klärt mich auf!

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Aziz
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BeitragVerfasst am: 20. Dez 2005, 17:16     Antworten mit Zitat Nach oben


180Mio DM wenn mich nicht alles täuscht.
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BeitragVerfasst am: 20. Dez 2005, 17:19     Antworten mit Zitat Nach oben


Aziz hat am 20. Dez 2005 um 17:16 Uhr folgendes geschrieben:
180Mio DM wenn mich nicht alles täuscht.

Und wo sind die hin?
Wohl shcon abgeschrieben !?
Das wären dann aber ca 20 Mio pro Saison, abgeschrieben auf 10 Jahre. Kommt das hin?

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BeitragVerfasst am: 20. Dez 2005, 18:18     Antworten mit Zitat Nach oben


Registrierkasse hat am 20. Dez 2005 um 18:19 Uhr folgendes geschrieben:

Und wo sind die hin?
Wohl shcon abgeschrieben !?
Das wären dann aber ca 20 Mio pro Saison, abgeschrieben auf 10 Jahre. Kommt das hin?
Nein, das wäre meines Wissens auch rechtlich gar nicht zulässig. Habe im Hinterkopf AfA für Immos ohne Wohnnutzung irgendwas mit 3% linear bzw degressiv 3 Jahre lang plus Anschaffungsjahr/ Jahr der Fertigstellung 10% und dann abnehmend gestaffelt.
Edith meint dazu, dass gestaffelte AfA nur bis 1994 galt.

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BeitragVerfasst am: 20. Dez 2005, 18:32     Antworten mit Zitat Nach oben


Registrierkasse hat am 20. Dez 2005 um 18:19 Uhr folgendes geschrieben:
Aziz hat am 20. Dez 2005 um 17:16 Uhr folgendes geschrieben:
180Mio DM wenn mich nicht alles täuscht.

Und wo sind die hin?
Wohl shcon abgeschrieben !?
Das wären dann aber ca 20 Mio pro Saison, abgeschrieben auf 10 Jahre. Kommt das hin?
Bring nicht DM und €uro durcheinander. Baukosten waren ca, 180 Mio DM, in der Bilanz steht es mit 66,2 Mio EURO Wink 180 Mio DM sind ungefähr 92 Mio €

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BeitragVerfasst am: 20. Dez 2005, 19:53     Antworten mit Zitat Nach oben


Crix hat am 20. Dez 2005 um 18:32 Uhr folgendes geschrieben:
Registrierkasse hat am 20. Dez 2005 um 18:19 Uhr folgendes geschrieben:
Aziz hat am 20. Dez 2005 um 17:16 Uhr folgendes geschrieben:
180Mio DM wenn mich nicht alles täuscht.

Und wo sind die hin?
Wohl shcon abgeschrieben !?
Das wären dann aber ca 20 Mio pro Saison, abgeschrieben auf 10 Jahre. Kommt das hin?
Bring nicht DM und €uro durcheinander. Baukosten waren ca, 180 Mio DM, in der Bilanz steht es mit 66,2 Mio EURO Wink 180 Mio DM sind ungefähr 92 Mio €

OK, da hab ich vielleicht was durcheinander bekommen. Dann muss ich sagen war unser schöner Tempel garnicht so teuer :D
Hat Schlake seine Turnhalle denn für 300€ oder DM gebaut?

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schneider
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BeitragVerfasst am: 03. Feb 2006, 20:26     Antworten mit Zitat Nach oben


Bei Spiegel-Online ist ein, wie ich finde, recht gutes Interview mit Bernd Hoffmann erschienen:

http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,398900,00.html
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BeitragVerfasst am: 06. Feb 2006, 11:31     Antworten mit Zitat Nach oben


schneider hat am 03. Feb 2006 um 21:26 Uhr folgendes geschrieben:
Bei Spiegel-Online ist ein, wie ich finde, recht gutes Interview mit Bernd Hoffmann erschienen:

http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,398900,00.html

Das klingt doch sehr vernünftig!
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PrivateParts
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BeitragVerfasst am: 06. Feb 2006, 23:15     Antworten mit Zitat Nach oben


Heute im Kicker ist ein langes Interview mit Hoffmann, in dem er auch ausgiebig zu Finanzfragen Stellung nimmt. Die wichtigsten Eckpunkte nenne ich mal hier ( gehe davon aus, dass das Interview spaetestens morgen online verfuegbar ist ..) :

1. die 65 Millionen Euro Restschuld aus dem Stadionkredit soll bis 2015 auf ca 17 Mio reduziert sein.

2. Die bilanzielle Unterdeckung von 21 Mio Euro ist nur durch eine externe Finanzspritze oder aber durch fortwaehrenden sportlichen Erfolg zu schliessen. Diese Unterdeckung behindert den HSV allerdings nicht im operativen Geschaeft.

3. Der HSV hat zur Finanzierung der Neuzugaenge weder einen Kredit bei einer Bank aufgenommen noch einen einzigen Euro aus zukuenftig einzunehmenden Geldern vorab ausgegeben.

4. Hoffmann geht bis 2015 von einem durchschnittl. jaehrlichen Umsatzwachstum von 7 % aus. In den letzten 3 Jahren hatten wir 10% , daher findet Hoffmann die Zahlen realistisch.

5. Weder Ausgliederung noch die Aufnahme einer Anleihe sind zur Zeit auch nur ansatzweise ein Thema.

Meine Meinung : Hier werden einige Dinge netter eingefaerbt, als sie tatsaechlich sind. Insb. Punkt 3 finde ich doch reichlich schoengeredet. Sicher hat der HSV keine Kredite bei Banken aufgenommen, um Neuzugaenge zu finanzieren. Aber Ratenzahlungen wie bei van der Vaart sind eben nichts anderes als Kredite, bei denen sich die abgebenden Vereine auch einen entsrpechenden Aufschlag auszahlen lassen.
Auch die Aussage, dass wir keine Gelder aus zukuenftigen Einnahmen ausgegeben haetten, ist m.E. nicht richtig. Was ist denn bitte die sofortige Weiterleitung der Einmalzahlung von Aramak in die Transfers von van Buyten, Lauth & Co ?

Die Reduzierung der 65 Mio Stadionschuld auf nur noch 17 Mio innerhalb von 10 Jahren erscheint mir auch reichlich ambitioniert. Aber vll. irre ich mich ja auch - vll. kann mir ein Haeuslebauer, der sich mit solchen Krediten auskennt, mal den Tilungsverlauf skizzieren Wink ... Wenn man die Schulden tatsaechlich so stark reduzieren kann, waere das natuerlich gut.
Ob ein Umsatzwachstum von im SChnitt 7 % p.a. erzielt werden kann, weiss ich nicht. Geht wohl mittel- und langfristig nur durch regelmaessige CL-Teilnahmen, aber das muss auch das Ziel sein. Punkt 5 beruhigt mich natuerlich.

OK, jetzt habe ich reichlich negativ geschrieben. Andererseits finde ich es auch gut, dass Hoffmann diese Zahlen und Ziele so offen nennt. Denn er weiss auch, dass er sich schlussendlich daran messen lassen muss und dass er bei grober Verfehlung dieser Zahlen auch seinen Job riskiert.

Grundsaetzlich bin ich mit Hoffmanns Arbeit bisher zufrieden. Nichtsdestotrotz muss man als HSV'er wachsam bleiben und sollte sich nicht vom kurz- und mittelfristigen Erfolg blenden lassen.
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Stevie
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BeitragVerfasst am: 06. Feb 2006, 23:20     Antworten mit Zitat Nach oben


PrivateParts hat am 06. Feb 2006 um 23:15 Uhr folgendes geschrieben:
Heute im Kicker ist ein langes Interview mit Hoffmann, in dem er auch ausgiebig zu Finanzfragen Stellung nimmt. Die wichtigsten Eckpunkte nenne ich mal hier ( gehe davon aus, dass das Interview spaetestens morgen online verfuegbar ist ..) :

1. die 65 Millionen Euro Restschuld aus dem Stadionkredit soll bis 2015 auf ca 17 Mio reduziert sein.

2. Die bilanzielle Unterdeckung von 21 Mio Euro ist nur durch eine externe Finanzspritze oder aber durch fortwaehrenden sportlichen Erfolg zu schliessen. Diese Unterdeckung behindert den HSV allerdings nicht im operativen Geschaeft.

3. Der HSV hat zur Finanzierung der Neuzugaenge weder einen Kredit bei einer Bank aufgenommen noch einen einzigen Euro aus zukuenftig einzunehmenden Geldern vorab ausgegeben.

4. Hoffmann geht bis 2015 von einem durchschnittl. jaehrlichen Umsatzwachstum von 7 % aus. In den letzten 3 Jahren hatten wir 10% , daher findet Hoffmann die Zahlen realistisch.

5. Weder Ausgliederung noch die Aufnahme einer Anleihe sind zur Zeit auch nur ansatzweise ein Thema.

Meine Meinung : Hier werden einige Dinge netter eingefaerbt, als sie tatsaechlich sind. Insb. Punkt 3 finde ich doch reichlich schoengeredet. Sicher hat der HSV keine Kredite bei Banken aufgenommen, um Neuzugaenge zu finanzieren. Aber Ratenzahlungen wie bei van der Vaart sind eben nichts anderes als Kredite, bei denen sich die abgebenden Vereine auch einen entsrpechenden Aufschlag auszahlen lassen.
Auch die Aussage, dass wir keine Gelder aus zukuenftigen Einnahmen ausgegeben haetten, ist m.E. nicht richtig. Was ist denn bitte die sofortige Weiterleitung der Einmalzahlung von Aramak in die Transfers von van Buyten, Lauth & Co ?

Die Reduzierung der 65 Mio Stadionschuld auf nur noch 17 Mio innerhalb von 10 Jahren erscheint mir auch reichlich ambitioniert. Aber vll. irre ich mich ja auch - vll. kann mir ein Haeuslebauer, der sich mit solchen Krediten auskennt, mal den Tilungsverlauf skizzieren Wink ... Wenn man die Schulden tatsaechlich so stark reduzieren kann, waere das natuerlich gut.
Ob ein Umsatzwachstum von im SChnitt 7 % p.a. erzielt werden kann, weiss ich nicht. Geht wohl mittel- und langfristig nur durch regelmaessige CL-Teilnahmen, aber das muss auch das Ziel sein. Punkt 5 beruhigt mich natuerlich.

OK, jetzt habe ich reichlich negativ geschrieben. Andererseits finde ich es auch gut, dass Hoffmann diese Zahlen und Ziele so offen nennt. Denn er weiss auch, dass er sich schlussendlich daran messen lassen muss und dass er bei grober Verfehlung dieser Zahlen auch seinen Job riskiert.

Grundsaetzlich bin ich mit Hoffmanns Arbeit bisher zufrieden. Nichtsdestotrotz muss man als HSV'er wachsam bleiben und sollte sich nicht vom kurz- und mittelfristigen Erfolg blenden lassen.


Presseagenturen hatten Deinen Job schon vor einiger Zeit erledigt - natürlich nicht so prägnant und so kommentiert. Wink

Zitat:
Vorstandschef Hoffmann verteidigt Transferpolitik des HSV
Mo 06 Feb, 13:04 Uhr

Hamburg (ddp). Der Hamburger SV hat sich laut Vorstandschef Bernd Hoffmann in den vergangenen beiden Jahren bei seinen zum Teil spektakulären Transfers finanziell keineswegs übernommen. Man habe zwar 20 Millionen Euro in neue Spieler investiert, aber gleichzeitig auch zehn Millionen durch Transfers eingenommen, sagte der 43-Jährige dem Fachmagazin «Kicker» (Montagsausgabe). Man habe ´netto´ also nur zehn Millionen Euro ausgegeben, betonte Hoffmann, und fügte hinzu: «Und das ist ja nun nicht so unüblich.» Zudem habe der Fußball-Bundesligist für die Neuzugänge »weder einen Kredit bei einer Bank aufgenommen noch einen einzigen Euro aus zukünftigen Einnahmen vorab ausgegeben.»

Der Schuldenstand von 65 Millionen Euro sowie ein Fehlbetrag in Höhe von 21 Millionen Euro, der nicht durch Eigenkapital gedeckt ist, beunruhige Hoffmann nicht. «Ich habe zuletzt ja schon häufiger gesagt, dass ich dennoch völlig ruhig schlafen kann.» Laut Hoffmann seien die 65 Millionen Euro Konsequenz der Eigentümerschaft am Stadion. Diese sollen durch jährliche Tilgungen bis 2015 auf einen Betrag von circa 17 Millionen Euro reduziert werden.

Der Fehlbetrag von 21 Millionen Euro sei ohne externe Finanzspritzen jedoch nur durch mittel- und langfristigen sportlichen Erfolg abbaubar, fuhr Hoffmann fort. Als Beispiel hierfür nannte der 43-Jährige die aktuelle Saison, in der man bereits entsprechende Sondereffekte erzielt habe. Eine Anleihe sei für Hoffmann kein Thema. «Hamburg und die Marke HSV bieten noch so viele bislang unausgeschöpfte Potenziale, insbesondere bei sportlichem Erfolg», sagte Hoffmann. Hinzu kämen die hervorragenden Voraussetzungen, die das Stadion biete.
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kHamsun
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BeitragVerfasst am: 08. Feb 2006, 14:42     Antworten mit Zitat Nach oben


Besagtes Interview ist nun endlich online:
kicker hat Folgendes geschrieben:
Woher nimmt der HSV das Geld?

Drei Jahre HSV-Boss. Doch das war nicht der einzige Grund, ein Interview mit Bernd Hoffmann (43) zu führen. Themen gibt es genug: Der Angriff auf die Bayern, die Strategie für die Zukunft, die großen Transfers der jüngsten Vergangenheit.

kicker: Am 1. Februar hatten Sie Ihr dreijähriges Dienstjubiläum als Vorstands-Vorsitzender beim HSV - nehmen Sie dazu eigentlich Glückwünsche an, Herr Hoffmann?
Bernd Hoffmann: Ich fühle mich grundsätzlich beglückwünschenswert und als beschenkter Mensch. In erster Linie dank meiner Familie, aber auch wegen meiner Aufgabe hier beim HSV.

kicker: In Ihrer Amtszeit haben Sie den HSV gründlich umgekrempelt, die bundesweite Beachtung steigt wieder, gleichzeitig aber steigt auch die Zahl der Neider - wovon spüren Sie eigentlich mehr?
Hoffmann: Nörgeln und Bremsen - das ist eine Gesamtkultur, die jahrelang Hochkonjunktur hatte. Ich habe aber eigentlich eher den Eindruck, dass sich das Klima insgesamt verändert und - was unsere Arbeit betrifft - dass Anerkennung überwiegt.

kicker: Trotzdem fragen sich viele: Woher nimmt der HSV das Geld für die Top-Transfers der letzten eineinhalb Jahre?
Hoffmann: Richtig ist, dass wir in den vergangenen beiden Jahren 20 Millionen Euro in neue Spieler investiert haben. Aber dabei wird immer vergessen, dass wir auch zehn Millionen durch Transfers eingenommen haben. Das heißt: "Netto" haben wir zehn Millionen ausgegeben. Und das ist ja nun nicht so unüblich.

kicker: Ist es nicht? Immerhin drücken den HSV beträchtliche Schulden in Höhe von 65 Millionen Euro. Hinzu kommen 21 Millionen als nicht durch Eigenkapital gedeckter Fehlbetrag.
Hoffmann: Ich habe zuletzt ja schon häufiger gesagt, dass ich dennoch völlig ruhig schlafen kann. Die 65 Millionen sind Konsequenz der Eigentümerschaft an unserem Stadion, und die werden wir bis 2015 durch die jährliche Tilgung auf zirka 17 Millionen reduziert haben.

kicker: Und was ist mit den 21 Millionen?
Hoffmann: Die sind ohne externe Finanzspritze nur durch mittel- und langfristigen sportlichen Erfolg und dementsprechende Sondereffekte, wie wir sie in dieser Spielzeit erzielt haben, abbaubar. Allerdings ist diese bilanzielle Überschuldung nichts, was uns im operativen Geschäft behindert. Dem stehen auch erhebliche Werte gegenüber.

kicker: Kritiker werfen Ihnen großes Risiko vor, trotz der Schulden so mutig zu investieren.
Hoffmann: Unsere Zahlen sind doch bekannt - wir haben mit der Veröffentlichung der Unternehmensbilanz sowie aller Tochtergesellschaften wahrscheinlich die transparenteste Darstellung aller Bundesligisten. Und zum Thema Risiko: Wir haben für unsere Neuzugänge weder einen Kredit bei einer Bank aufgenommen noch einen einzigen Euro aus zukünftigen Einnahmen vorab ausgegeben. Wir gehen konsequent den Weg, die Umsätze zu steigern. Bis 2015 gehen wir von einem jährlichen Wachstum von sieben Prozent aus. In den letzten drei Jahren hatten wir Steigerungsraten von zehn Prozent - also ist unsere Planung durchaus realistisch.

kicker: Ihr Amtsvorgänger Werner Hackmann und anfangs auch Sie selbst haben einst für die Ausgliederung gekämpft - ist die noch ein Thema?
Hoffmann: Das ist aktuell überhaupt kein Thema. Genausowenig wie übrigens eine Anleihe. Hamburg und die Marke HSV bieten noch so viele bislang unausgeschöpfte Potenziale insbesondere bei sportlichem Erfolg. Hinzu kommen die hervorragenden Voraussetzungen, die unser Stadion bietet.

kicker: Sind es die Voraussetzungen, die Sie zum Jahresende veranlasst haben, den Sprung in Europas Top 10 als Ziel zu definieren?
Hoffmann: Das ist unsere langfristige Planung, ja. Innerhalb der nächsten fünf Jahre wollen wir in die Top 20 und dann in die Top 10. Das muss unser Anspruch sein, das ist machbar. Ohne Visionen und absoluter Detailbesessenheit sind diese Ziele nicht erreichbar. Allerdings muss man auch immer realistisch bleiben - wir reden ja nicht davon, nächstes Jahr Meister werden zu wollen, sondern wir reden von einem Weg bis 2011.

kicker: Sie sprechen häufig über Visionen - mit welcher sind Sie angetreten?
Hoffmann: Ich habe vor drei Jahren in meinem allerersten Strategiepapier beschrieben, dass die Saison 2005/2006 richtungsweisend sein wird. Es galt, die Sogwirkung vor der WM zu nutzen, und wir wussten, wie wichtig nach dem geplanten Umbruch der Erfolg in dieser Serie sein würde.

kicker: Was waren die maßgebendsten Entscheidungen, um den lange mittelmäßigen Bundesliga-Dino zurück in die Spitze zu bringen?
Hoffmann: Mir hat mal ein intelligenter Bertelsmann-Manager gesagt, um als Chef eines Unternehmens erfolgreich zu sein, braucht man die richtigen Leute in den zentralen Positionen um sich herum. Mit Udo Bandow im Aufsichtsrat, Dietmar Beiersdorfer, Thomas Doll und Katja Kraus habe ich die. Jeder trägt in seinem Bereich die Verantwortung.

kicker: Fragen Sie sich in Zeiten, da Sie erste Früchte Ihres Konzepts ernten, gelegentlich, was passiert wäre, wenn nach den Entlassungen von Kurt Jara und Klaus Toppmöller auch die Patrone Thomas Doll danebengegangen wäre?
Hoffmann: Um im Bild zu bleiben: Das war ein gezielter Schuss, wir waren sicher, dass er sitzt. Aber ich bin entgegen der landläufigen Meinung nicht der Ansicht, dass Toppmöller eine Fehlbesetzung war.

kicker: Das müssen Sie erklären.
Hoffmann: Auch Toppmöller hat seinen Anteil an der Entwicklung unseres Klubs - zum Beispiel durch den Anspruch, den er an Neuzugänge hatte. Er ist auf den Tisch gesprungen und hat gesagt: Ich will van Buyten! Und Daniel van Buyten war nicht nur einer der ersten, sondern auch ein zentraler Baustein für den neuen Weg.

kicker: Waren die beiden Trainerwechsel die bittersten Momente Ihrer bisherigen Amtszeit?
Hoffmann: Das waren fraglos bittere Momente. Aber der bitterste war das 0:3 in Dnjepropetrovsk in der ersten UEFA-Cup-Runde 2003, kurz vor der Entlassung von Kurt Jara. Alles um dieses Spiel herum und die Erkenntnis, bei der Kaderplanung eine falsche Entscheidung getroffen zu haben, war eine einschneidende Erfahrung.

kicker: Und der schönste Moment?
Hoffmann: Neben der Freude darüber, wenn Strategien tatsächlich planmäßig aufgehen sicher unser 1:0 in Kopenhagen im Herbst 2005. Dieses Spiel sowie die Partien gegen Valencia und Bayern haben einen Spalt geöffnet und uns gezeigt, wo wir dauerhaft hinwollen - auf Augenhöhe mit den Bayern. Dass wir deren Vorsprung nicht innerhalb der nächsten fünf Jahre aufholen können, ist klar. Aber wir wollen uns im Verfolgerfeld festsetzen.

kicker: Unter anderem mit den Bayern buhlen Sie nun auch um Lukas Podolski.
Hoffmann: Mit unseren Strukturen, unserem Anspruch und dem aktuellen Tabellenstand müssen wir uns einfach um einen Spieler wie ihn bemühen.

kicker: Was würden Sie denn als Lukas Podolski machen?
Hoffmann: An seiner Stelle würde ich zum Hamburger SV gehen.

kicker: Sie gelten als Ex-Sportfive-Geschäftsführer im Führungsteam des HSV vor allem als Geschäftsmann - was bedeutet Ihnen eigentlich Fußball?
Hoffmann: Seit meinem fünften Lebensjahr bin ich ein hoffnungsloser Fan. Ich wollte nie Feuerwehrmann werden wie andere Jungs. Präsident eines Fußballklubs zu sein, hat mich immer fasziniert.

kicker: Im Ernst?
Hoffmann: Ja. Spätestens 1988. Leverkusen holte den Europapokal und ich wäre fast aus dem Stadion geflogen, weil ich mit einem Eiseneimer Höllenlärm verursacht habe. Am nächsten Tag habe ich mit Faszination in der Zeitung gelesen, dass Bertelsmann die Fußballrechte gekauft hat - Fußball und das Geschäftliche zu verbinden, war von dem Tag an mein Traum.
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Bruder Benni
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BeitragVerfasst am: 08. Feb 2006, 15:50     Antworten mit Zitat Nach oben


Zitat:
...ich wäre fast aus dem Stadion geflogen, weil ich mit einem Eiseneimer Höllenlärm verursacht habe.

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ULYSSES
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BeitragVerfasst am: 08. Feb 2006, 15:56     Antworten mit Zitat Nach oben


Bruder Benni hat am 08. Feb 2006 um 16:50 Uhr folgendes geschrieben:
Zitat:
...ich wäre fast aus dem Stadion geflogen, weil ich mit einem Eiseneimer Höllenlärm verursacht habe.

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Bruder Benni
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BeitragVerfasst am: 08. Feb 2006, 16:05     Antworten mit Zitat Nach oben


ULYSSES hat am 08. Feb 2006 um 15:56 Uhr folgendes geschrieben:
Bruder Benni hat am 08. Feb 2006 um 16:50 Uhr folgendes geschrieben:
Zitat:
...ich wäre fast aus dem Stadion geflogen, weil ich mit einem Eiseneimer Höllenlärm verursacht habe.

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wo? im CDU ortsverein rahlstedt ?

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ArthurDent
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BeitragVerfasst am: 08. Feb 2006, 16:09     Antworten mit Zitat Nach oben


unser vorsitzender auf tour:


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ULYSSES
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BeitragVerfasst am: 08. Feb 2006, 17:59     Antworten mit Zitat Nach oben


Bruder Benni hat am 08. Feb 2006 um 17:05 Uhr folgendes geschrieben:
ULYSSES hat am 08. Feb 2006 um 15:56 Uhr folgendes geschrieben:
Bruder Benni hat am 08. Feb 2006 um 16:50 Uhr folgendes geschrieben:
Zitat:
...ich wäre fast aus dem Stadion geflogen, weil ich mit einem Eiseneimer Höllenlärm verursacht habe.

Shocked Confused Laughing
mit einem eiseneimer???

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Wir hatten früher auch so ein Ding in der guten alten Zeit!

Irgendwie ist dieses Interview aber irreführend. Oben steht die reißerische Überschrift "Woher nimmt der HSV das Geld?", aber die Antwort finde ich in dem Text nicht.
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Der ehemalige BSHH
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BeitragVerfasst am: 08. Feb 2006, 20:19     Antworten mit Zitat Nach oben


Zunächst möchte ich ULYSSES' Kritik am kicker bereits frühzeitig ausweichen und die Thread-Frage beantworten: Ich halte Hoffmann für einen Hasardeur, dessen riskante Investitionspolitik aber derzeit sehr erfolgreich zu sein scheint und das tatsächliche HSV-Vermögen wohl vermehrt hat. Bei der Beurteilung, welche Gefahren für den HSV er in Kauf nehmen wird, ist aber viel aufschlussreicher, welche Maßnahmen Hoffmann bei sportlichem Erfolg und in der Krise ergreift. Im Gegensatz zu den Problemfällen der Liga (Dortmund, Schalke und Hertha) hatte der HSV unter Hoffmann eine ordentliche Ertragslage und griff nicht zu stark auf Vorfinanzierungen bzw. Bilanzeffekte zurück.

Wegen der m.E. großen Bedeutung des Themas "HSV-Finanzplanung" rege ich zudem einen Gesamtthread an, in dem auch der "Halbjahresbilnaz"-Thread einzufügen wäre. Der neue "HSV-Finanzen"-Thread böte sich geradezu ideal an!

Mit diesem Beitrag möchte ich aber insbesondere wie bereits PrivateParts Hoffmanns Darstellung kommentieren. Zu dem Interview ist m.E. anzumerken:

1.
Ich hätte mir von Hoffmann zunächst stärker gewünscht, dass er klarstellt, über welche Zahlen und Bilanzen man sich eigentlich unterhält und inwieweit diese mit denen anderer Erstligisten vergleichbar sind. Hoffmann hat zu Recht darauf hingewiesen, dass der HSV mit seiner konsolidierten Bilanz ein Höchstmaß an Transparenz bietet. Dann sollte er auch durchaus betonen, dass die Vereinsbilanz (denn nur eine solche veröffentlichen die Wettbewerber) keine Überschuldung und wesentlich geringere Verbindlichkeiten aufweist.

2.
Eine Frage nach der bilanziellen Überschuldung von € 21,4 Mio. sollte Hoffmann zudem auch damit beantworten, dass ein Sonderposten wegen der städtischen Zuschüsse vom Stadionbau in Höhe von € 12,5 Mio. als Passivposten erfasst ist. Da damit keine (Rück)Zahlungs- oder sonstigen Leistungspflichten verbunden sind, beträgt die faktische Überschuldung (d.h. ein Überhang an bestehenden und drohenden Verbindlichkeiten) auch anhand der Bilanzansätze weniger als € 9 Mio. - das klingt längst nicht so dramatisch.

3.
Hoffmanns Äußerung, die bilanzielle Überschuldung sei nur durch Sondereffekte oder langfristigen Erfolg substanziell zurückzuführen, ist Unsinn. Falls der HSV nicht Ailton und de Jong verpflichtet hätte, die nächste Runde im UEFA-Cup erreicht und den voraussichtlichen Überschuss gegenüber der Kalkulation von wohl rund € 5 Mio. zur vorzeitigen Tilgung der Verbindlichkeiten bei anderen Clubs verwenden würde, ließe sich der Fehlbetrag bereits in dieser Saison erheblich reduzieren.

4.
Wie PrivatParts bereits erläutert hat, betreibt Hoffmann bei seiner Bemerkung zur Finanzierung neuer Spieler Augenwischerei. Sowohl die Neuzugänge des Sommer 2004 als auch die zu dieser Saison sind durch Ratenzahlungen an die abgebenden Verein finanziert; im Sommer 2004 wurde zudem die Aramak-Vorwegzahlung verbraucht. Der Hinweis auf fehlende Bankkredite ist irreführend, zumal solche angesichts der bekanntermaßen sehr rigiden Vergaberichtlinien gemäß BASEL II sogar eio positives Bonitätszeichen wären.

5.
In dem Spiegel-Interview behauptet Hoffmann, der HSV würde keinen Etat beschließen, der die CL-Teilnahme bedingt. Das halte ich für sehr zweifelhaft, denn angabegemäß bemüht(e) sich der HSV um sehr teure Spieler wie Zigic oder Podolski. Diese sind mit einem Etat, der sich auf UEFA-Cup-Einnahmen beschränkt, kaum zu bezahlen - erst recht nicht dann, wenn man nur mit der Gruppenphase plant. Auch der immer wieder bekräftigte Fünf-Jahres-Plan lässt nicht darauf schließen, dass der HSV die Kosten für die Mannschaft sonderlich vorsichtig ansteigen lassen wird.

Gruß,
BSHH
Bruder Benni
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BeitragVerfasst am: 08. Feb 2006, 20:39     Antworten mit Zitat Nach oben


zwei fragen zu deinem ausführlichen beitrag:
1. warum sollte hoffmann in einem interview mit dem kicker alle mißverständnisse ausräumen (die finanzlage genauer darlegen), und nicht verklausuliert um den heissen brei herum reden (zumal er ja allem anschein nach keine fakten positiver darstellt, als sie es tatsächlich sind), und was ist schlimm daran?

2. es könnte doch durchaus möglich sein, dass sich ein mit topstars gespickter kader bei sehr guter vermarktung des HSV allein aus garantierten einnahmen finanziert, oder gibt es da ein gesetz gegen?

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ULYSSES
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BeitragVerfasst am: 09. Feb 2006, 12:31     Antworten mit Zitat Nach oben


Bitte nicht Verbindlichkeiten und Überschuldung durcheinanderbringen.
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BeitragVerfasst am: 09. Feb 2006, 13:06     Antworten mit Zitat Nach oben


Bruder Benni hat am 08. Feb 2006 um 20:39 Uhr folgendes geschrieben:
zwei fragen zu deinem ausführlichen beitrag:
1. warum sollte hoffmann in einem interview mit dem kicker alle mißverständnisse ausräumen (die finanzlage genauer darlegen), und nicht verklausuliert um den heissen brei herum reden (zumal er ja allem anschein nach keine fakten positiver darstellt, als sie es tatsächlich sind), und was ist schlimm daran?

2. es könnte doch durchaus möglich sein, dass sich ein mit topstars gespickter kader bei sehr guter vermarktung des HSV allein aus garantierten einnahmen finanziert, oder gibt es da ein gesetz gegen?


ad 1.:

In Interviews wie dem des kicker-Sportmagazins erhält Hoffmann als HSV-Vorstandsvorsitzender die Gelegenheit, die gängige, aber verkürzte und irreführende Darstellung der HSV-Finanzen (€ 65 Mio. Verbindlichkeiten, € 21 Mio. bilanzielle Überschuldung) richtig zu stellen und diejenigen Daten stärker in den Blickpunkt der Öffentlichkeit zu rücken, die tatsächlich mit den Konkurrenten vergleichbar sind - das wäre nämlich allein die Vereinsbilanz. Dadurch ließen sich vielleicht schlechte Artikel wie derjenige zu Beginn dieses Threads oder undifferenzierte Äußerungen von anderen BL-Verantwortlichen (darunter etwa Allofs) vermeiden bzw. von vorneherein als Unsinn abtun. Der HSV hat ein Interesse daran, nicht als übermäßig überschuldet dargestellt zu werden, deswegen sollte Hoffmann solche Gelegenheiten zur Klarstellung nutzen.

Dagegen halte ich nichts davon, die Finanzsituation zu beschönigen. Damit gesellt man sich zu Verantwortlichen wie Assauer, Meier, Dr. Niebaum oder Dieter Hoeneß, deren fehlende Seriosität ich für den HSV äußerst unpassend finde. Außerdem sind fast alle wesentlichen Daten und Details Kennern sowieso bekannt bzw. zu erschließen: Die Ratenzahlungen für van der Vaart oder Lauth sind ebenso wie die Aramak-Vorwegzahlung veröffentlicht worden, und der Anstieg der kurzfristigen Verbindlichkeiten lässt sich ohne große Mühe der Bilanz entnehmen. Es ist also nutzlos, Zusammenhänge zu beschönigen, zumal darunter die Glaubwürdigkeit leidet.

Ich bin ohnehin der Meinung, dass Hoffmann seine riskanten Maßnahmen grundsätzlich anhand der Fakten rechtfertigen sollte und nicht verharmlosen, indem er etwa versucht zu verschleiern, dass viele Neuzugänge durch Kredite finanziert wurden. Das erspart Interessierten Nachfragen auf der Mitgliederversammlung.

ad 2.:

Natürlich gibt es kein gesetzt dagegen, dass ein Club "Topstars" auch ohne CL-Teilnahme finanziert. Es ist in der BL-Praxis aber noch nie vorgekommen, selbst Bremen braucht inzwischen die CL, da die Gehaltsaufwendungen über denen des HSV liegen, und z.B. Schalke, Dortmund und Hertha haben selbst mit CL/UEFA-Cup große Probleme.

Gegenüber der letzten, überraschenderweise nur mit einem ausgeglichenen Ergebnis abgeschlossenen Saison ha tder HSV natürlich gewisse Mehreinnahmen. Aber ich gehe fest davon aus, dass diese trotzdem nicht ausreichen, um neben den laufenden Kosten auch die Ablösen für van der Vaart und Atouba abzudecken. Falls der HSV jetzt weitere Stars wie Podolski oder Zigic holt, müssen erneut Ablösen finanziert werden, zusätzlich steigt das Gehaltniveau. Die Ausgabenseite dürfte deutlich stärker steigen als das Umsatzwachstumsplansoll von angeblich 7%

Auf der Einnhameseite ist das Wachstum grundsätzlich beschränkt: Die TV-Einnahmen sind zwar höher, aber noch stärker leistungsabhängig. Die Stadionkapazität ist nahezu ausgeschöpft. Die Werbeverträge sind im wesentlichen mittelfristig abgeschlossen, die Cateringeinnahmen bereits größtenteils verbraucht und das Merchandising hat einen regelrechten Boom erlebt. Ich bin mir sehr sicher, dass der HSV für ehrgeizige Maßnahmen wie einen Podolski-Kauf mehr als nur die (schwer kalkulierbaren) UEFA-Cup-Einnahmen benötigen wird, zumal noch Altlasten wie die Transferschulden oder das Sportfive-Darlehen zu bewältigen sind.

Gruß,
BSHH
ULYSSES
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BeitragVerfasst am: 09. Feb 2006, 13:33     Antworten mit Zitat Nach oben


Kritisch kann man das schon sehen, aber ein paar Fakten stellst Du aus meiner Sicht nicht richtig dar.

Die Fernsehgelder sind zwar mehr leistungsabhängig, aber der Grundbetrag erhöht sich schon für jeden Bundesligisten.

Das Sportfivedarlehen bleibt dem Verein für die Dauer der Zusammenarbeit erhalten, eine Rückzahllungsverpflichtung entsteht erst dann.

Stadion wird ja gerade ausgebaut, Eintrittspreise können erhöht werden, ein größeres finanzielles Engagement von Sponsoren ist bei entsprechender guter Arbeit beim HSV insgesamt wahrscheinlich.

Die Vermarktung und Nutzung des Stadions kann sicherlich auch mehr intensiviert werden.
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BeitragVerfasst am: 09. Feb 2006, 13:40     Antworten mit Zitat Nach oben


@ BSHH:

Ich sehe Punkt 2 anders,

Du schreibst, die Einnahmesituation des HSV ist nunmehr nahezu ausgeschöpft.

Dem möchte ich entgegnen, dass der neue TV-Vertrag zwar stärker auf die sportlichen Erfolge abhebt als der bisherige, sich aber gleichermaßen dessen Gesamtvolumen so stark erhöht hat, dass es kaum möglich ist, sinkende oder stagnierende Einnahmen zu verzeichnen, wenn man nicht dauerhaft im Abstiegskampf versackt. Oder anders: Wenn der HSV im Durchschnitt der nächsten Jahre Platz 5 erreicht (was ich für eine durchaus angemessene Vermutung halten würde, wir werden uns innerhalb einer Bandbreite von Platz 3 bis Platz 7 bewegen), dann wird es definitiv eine siebenstellige Einnahmesteigerung im Bereich der TV-Einnahmen geben. Ich kann diese nicht genau beziffern, meine aber, gelesen zu haben, dass der HSV bei einem solchen Szenario so um die 3 Mio € p.a. zusätzlich erlösen würde.

Des weiteren musst Du den neuen Hauptsponsor-Vertrag bedenken. Wir verdienen jetzt mit ADIG ca. 4,5 Mio p.a., was in Relation zum sportlichen Erfolg und zum Renomee (sp?) der Marke HSV eine klare Unterbewertung darstellt. Der neue BVB-Deal (7,5 Mio p.a.) setzt Maßstäbe für unseren Wert. Ich gehe davon aus, dass der neue Hauptsponsor (Emirates?) einen Mehrerlös von mindestens 2 Mio p.a. bedeutet.

Drittens vergisst Du den Ausbau der Spielstätte. Der hochpreisige Logen-Bereich wird ein weiteres Mal ausgebaut (Westtribüne). Den Einnahmeeffekt kann ich nicht beurteilen, ich weiss nur, dass gerade diese Plätze im allgemeinen den Löwenanteil der HSV-Zuschauereinnahmen ausmachen. Die Baukosten (zusammen mit dem Süd-Umbau ca.8 Mio) werden sich in wenigen Jahren amortisieren und dann zu einer dauerhaften Steigerung der Zuschauereinnahmen führen.

Conclusio:

Hoffmann hat (wie Du richtig darstellst) zwar Gelder im Vorgriff auf die Zukunft ausgegeben (Aramark) bzw. einige Spieler auf Kredit geholt (Ratenzahlungen u.a. bei vdV); er hat dies jedoch nicht als unkalkulierbare Wette auf zukünftigen sportlichen Erfolg getan, sondern im Hinblick auf m.E. relativ sichere Einnahmesteigerungen von (je nach Szenario) 5-8 Mio p.a.. Insofern lehne ich es ab, ihn als "Hasardeur" zu bezeichnen.

Zumal noch gar nicht berücksichtigt wurde, dass unter Hoffmann Werte geschaffen wurden, die nicht angemessen bilanziert werden. Die HSV-Innenverteidigung wurde für ca.6 Mio verpflichtet, dürfte aber einen Marktwert von annähernd 20 Mio haben. Ein vdV ist ebenfalls deutlich wertvoller als seine "Anschaffungskosten". Der HSV ist unter Hoffmann zu einer Transferpolitik übergegangen, die nur noch Geld für Spieler ausgibt, dass diese "spielend" amortisieren können. Jüngstes Beispiel ist Nigel de Jong, der mit seiner Champions League Erfahrung, seinem Alter und seinem Potential bereits im Sommer mit sattem Gewinn weiterverkauft werden könnte. Diese Strategie der werthaltigen Transfers ist (wie bereits gesagt) kaum bilanzierbar. Daher leiden sämtliche Bilanzen unter diesem Schönheitsfehler. Eine "realistische" Bewertung der HSV-Assets würde ein positives Eigenkapital ergeben.
NiC
Kaaskop


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BeitragVerfasst am: 09. Feb 2006, 14:04     Antworten mit Zitat Nach oben


Wenn ich hier von sicherer Einnahmesteigerung lese frage ich mich, worauf diese begruendet wird. Die Steigerung der Einnahmen ist nicht sicher. OK, das Stadion wird ausgebaut, man kann die Tickets teurer machen, nur: Kommen dann noch 50000 Leute? Kann es nicht sein, dass naechstes Jahr eine deutsche Nachwuchshoffnung Bowlingweltmeister wird, und ploetzlich alle Welt heiss auf Bowling ist, statt zum Fussball zu gehen? Gerade der hochpreisige Kartenbereich ist m.E. unglaublich prestigeabhaengig, ist Fussball nicht hip bleiben die Plaetze als erstes leer.
Der neue Hauptsponsor bringt hoffentlich mehr Geld mit, aber nichts genaues weiss man wohl noch nicht.
Wie man die Stadionnutzung noch erweitern soll ist mir ein Raetsel, die Zeugen Jehovas kommen nicht woechentlich zusammen. Vielleicht muss $t.Pauli sich fuer den UEFA-Cup qualifizieren?

Eine kleine Anmerkung zum Sportfivedarlehen: Das muss nicht zurueckgezahlt werden, bis wir nicht mehr mit denen zusammenarbeiten? Gut, dass sich auf der Infoveranstaltung alle gegen strategische Partner ausgesprochen haben... Wink

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